ANSEHEN

"Ich fürchte mich, dass wir es kaufen…"

 

WIE ALLES ANFING…

Das Schloss in Kamieniec haben wir 2007 erstmals gesehen. Es machte damals einen wirklich traurigen Eindruck auf uns. Wir waren der Meinung, nur ein Wahnsinniger könnte sich zu einem Kauf und der Renovierung hinreißen lassen. Zwei Jahre später wurden wir zu diesen Wahnsinnigen und haben diese Entscheidung nie bereut.
Das Schloss war in einem jämmerlichen Zustand. Der Putz abgekratzt, die Wände mit Wildwuchs bewachsen, die Fenster eingeschlagen, mit Brettern zugenagelt. Einige Fensteröffnungen waren zugemauert. Auf dem Dach Bitumenziegel. Hässlich, jedoch insoweit in einem guten Zustand, dass diese Dachdeckung das völlige Volllaufen über die Rinne verhinderte.
Innen im Gebäude war es nicht besser: In jedem Raum Tonnen von Müll – Flaschen, Lappen, kaputte Möbel, Schutt infolge des Herausreißens der Installationen. An den Wänden Schmierereien und Vulgarismen.
Schloss Kamnitz war traurig und abstoßend.

 

FASSADE

Die spektakulärste Etappe der Renovierung war die Erneuerung der Fassade.
Der alte Restputz wurde entfernt. Dadurch entdeckten wir den Grundstein aus dem Jahr 1780, der heute an einer der Ecken des Gebäudes zu sehen ist. Frei wurde die Ziegel-Stein-Konstruktion der Mauern.
Entsprechend den Vorgaben des Konservators wurde Renovierungsputz verwendet. Die Stuckarbeiten, welche die Aussenwände zierten, waren größtenteils nicht mehr vorhanden. Das, was noch da war, konnte nicht mehr renoviert werden.
Nach deren Vorbild wurden neue Formen angefertigt und mit Spezialgips neue Dekorationselemente gegossen. Sämtliche Simse und Pilaster wurden mit traditionellen Techniken angefertigt.
Es kam der Tag, an dem über die Farbe der Fassade zu entscheiden war. Der Konservator und ich entschieden uns für Grau, mit weißen Stuckarbeiten, Fensterumrahmungen und Pilastern.
Die Südfassade wurde in sechs Grauabtönungen gestrichen, und wir haben mehrere Stunden gebraucht, die passende auszuwählen.

 

TREPPEN

1881 kaufte Baron Artur von Seherr-Thoss das Schloss. Zwei Jahre später ließ er den Ostflügel hinzubauen, an welchen ein prachtvoller Treppenaufgang anschloss. Im Inneren des Treppenhauses führte eine schöne Treppe aus Lärche vom Parterre bis in den zweiten Stock.
Als wir 2009 das Schloss übernahmen, war der erste Treppenlauf bereits so gut wie dahin. Die Treppe war bereits schon sehr viel früher der Geländerstäbe und des Handlaufes beraubt worden. Die wenigen verbliebenen Teile der Dekoration dienten uns, das Ganze wieder herzustellen.
Die neue Treppe ist aus Eiche. Die Dekoration, die Geländerstäbe und der Handlauf wurden originalgetreu nachgebaut. Sie wiegt vier Tonnen, besitzt über 40 Stufen und bildet eine sehr schöne Zierde des Inneren unseres Schlosses.